Archiv für den Monat: August 2016

Vom großen aufräumen – Volume 1

In Gartenzeitungen liest man ja gern von der entspannten Gartenarbeit und wie gut es einem dabei geht. Ganz nah an der Natur und rundherum glückseelig .

Naja! Entspannung fühle ich grad nicht. Klar ich habe außerordentlich viel geschafft, aber dafür habe ich jetzt einen anständigen Ganzkörpermuskelkater und meine Arme sind unterhalb der Ellenbogen total zerkratzt. Ich sehe aus als hätte ich im Brombeerbusch Tango getanzt, dabei habe ich gar keine Brombeeren.

Aber Hopfen. Diese bösartig wuchernde Pflanze treibt auf dem ganzen Grundstück ihr Unwesen und wenn man nicht ständig einhalt gebietet, nimmt sie sich hemmungslos jeden Raum der sich bietet. Im letzten Blogbeitrag hatte ich ja bereits angedeutet, das ich irgendwann einfach die Lust verloren hatte, mich diesem Kampf zu stellen und nur noch in Sichtweite „gerupft“ habe.

Letztens war ein liebe Freundin zu besuch, die botanisch sehr bewandert und gärtnerisch äußerst aktiv ist, und mich irritiert fragte, was ich denn da für einen seltsamen Baum im Garten hätte. Tja was soll ich sagen. Das war mal ein Fliederbusch, der inzwischen so umrankt war, das man den Ursprung wirklich nicht mehr erkennen konnte.

Deswegen meine erste Aufgabe: Befrei den Flieder!

Ich habe in den letzten zwei Tagen an den Lianen gerissen und den ganzen Kladderadatsch aus dem Baum geholt. Da der Hopfen gerade blühte, war um mich rum eine riesige Wolke aus Blütenstaub, oder waren das Samen? und ich fürchte meine Nachbarn zittertern vor Angst, der Hopfenschwärme die jetzt folgen werden. Nach der oberirdischen Rasur, folgte gestern dann das Wurzelziehen, was man sich tatsächlich so vorstellen muss, das man einen Wurzelstrang zu fassen bekommt und dann an diesem ziehend einmal über das ganze Grundstück rennt und kilometerlange, ziemlich kräftige „Seile“ zutage befördert, die wiederum querliegende Wurzelstränge anderer Hopfenpflanzen zutage fördern, mit denen man dann wiedrum neue Stränge aus der Erde zerrt. Am Ende sieht alles aus als hätte man fleissig umgegraben und das ohne auch nur einmal den Spaten in die Hand genommen zu haben. Dufte!

l. Flieder ohne Hopfenkrone r.o. vor der Arbeit, r.u. ein mal Hopfen gehäuft
l. Flieder ohne Hopfenkrone
r.o. vor der Arbeit, r.u. ein mal Hopfen gehäuft

Mir tun nun die Hände weh und auch ganz ordentlich das Herz. Der Hopfen hat dem Flieder ganz schön Substanz geraubt ich musste ziemlich viel totes Holz rausholen und heftig zurückschneiden. Aus einem einmal stolzen Baum ist ein recht trauriges Gerippe geworden, der nur noch an den Astspitzen, vereinzelt Blättchen treibt. Der rührende Versuch der Pflanze doch noch etwas Licht zu erhaschen. Mal sehen wie lange er braucht um sich zu erholen. So recht weis ich auch noch nicht was ich jetzt mit der kahlen Ecke anfange. Die „Wurzel des Bösen“ liegt natürlich genau an einer Stelle, an der ich nicht mal eben hemmungslos gaben kann, da ich dann ein nicht unbeträchtliches Stück Zaun und Nachbargarten, gleich miterlege. Das heisst er kommt wieder und ich werde noch lange Platz brauchen um erneutes austreiben, bekämpfen zu können. Naja der genaue Gartenplan wird ja erst geschmiedet, wenn der Garten von der ungewünschten Wildnis befreit ist. Manches Stück Wildnis würde ich auch gern erhalten und weiter ausbauen, die Lurche und Käfer und Raupen und Schmetterlinge…. Eine für mich nicht ganz einfache Aufgabe, da ich sehr dazu neige, wenn schon denn schon und am Ende radikale Ödnis bleibt. Vielleicht wird das zweite Projekt, nach dem Flieder eine Totholzecke als Insektenherberge.

Rike

Was so dabei herauskommt, wenn man denn mal Ruhe hat

Es ist ja schon ein ganz schön langes Weilchen her, das ich über mein Treiben im handwerklichen Sinne geschrieben habe. Nicht das hier der Eindruck entstanden ist, ICH würde faulenzen… . Nein! Fleissig war ich schon, allein zum schreiben, hatte ich kurzfristig keine Lust mehr, da mein an sich recht großer Bildschirm halbseitig zu flimmern begann. Klar, eine Hälfte geht auch, aber irgendwann fand ich das so nervig das mich komplett die Unlust überkam, überhaupt noch was zu machen.

So nun ist ein das Bildschirmproblem behoben und es kann weitergehen. Was gibt es neues an der handwerklichen Front?

Ich habe einiges genäht, vieles gestrickt und… tatata!… im Urlaub in einer ruhigen Minute festgestellt, das der Blog erweitert werden muss. Neben meinen Strick- und Häkeleien und den verzweifelten Versuchen mir mal was Anständiges auf den Leib zu nähen, gibts da noch zwei Dinge die inzwischen lautestens nach Öffentlichkeit rufen.

Zum einen ist es so, das ich einmal in der Woche zum töpfern gehe. Angefangen hat das ganze mal damit, das ich es nicht undumm fand, wenn ich an einem Abend in der Woche meinem Liebsten die Kinderlein überhelfe und mir ein fetziges Leben mache.

„Liebe auf den ersten Blick“ war das nicht. Ton ist  kein Material, an dem man sich ewig abpusseln kann, irgendwann ist er trocken und dann macht es einfach keinen Spass mehr. Man sollte auch im Voraus Wissen wohin man eigentlich möchte. Also eher nichts für mich.

Glasieren aber…, da kann man sich so richtig austoben. Es ist zwar nicht so ganz einfach ein Gefühl für die einzelnen Farben zu entwickeln, da sie ungebrannt ganz anders aussehen als am Endprodukt und dazu bisweilen noch lustig „laufen“, was wiederum ganz putzig aussehen kann, aber eben auch manchmal schiefgeht. Inzwischen bin ich richtig stolz auf meine Produkte und deswegen müssen die jetzt hier mit rein.

3 Sinnfreie aber wunderschöne Keramikfliesen (Ausschnitt)
3 Sinnfreie aber wunderschöne Keramikfliesen (Ausschnitt)

Was hier auch noch fehlt, ist mein Garten. Nicht das es da was zum stolz sein gibt, hier sind es die eher praktischen Erwägungen.

Als wir uns vor ca. 10 Jahren ein kleines Häuschen nebst Gartenland zulegten, war ich eigentlich ganz guter Hoffnung und freute mich auf die Gartenarbeit. Das Kindlein, damals noch klitzeklein, sollte lernen, das Obst und Gemüse nicht zwangsläufig aus dem Supermarkt kommen muss und dann war da noch Großmütterchens alter Pfarrgarten, gespeist mit den schönsten Kindheitserinnerungen, der zum nachahmen einlud.

Manches ist schon schön, wenn auch nur im Detail
Manches ist schon schön, wenn auch nur im Detail

Ich hab mir Bücher gekauft, Pläne geschmiedet, umgegraben, Beete angelegt und Unkraut gezupft. Stück für Stück kam die Ernüchterung. So ein Garten braucht viel Zeit. Meine Zeit und vor allem Kontinuität. Beides war nicht gerade im Überfluss vorhanden, dem ersten Kind folgte das zweite und als ich nach Ende der Elternzeit wieder arbeiten ging, war der Gang in den Garten nur noch Frust und der Versuch dem Unkraut einhalt zu gebieten, an Gestaltung war absolut nicht mehr zu denken.

Irgendwann gab ich auf und es folgte die große Gartenkrise, indessenfolge ich maximal noch Rasen mähte und Stück für Stück den Arbeitsaufwand durch Rückbau der Beete niedrig hilt. Glücklich war ich damit nie.

Inzwischen hab ich etwas mehr Zeit und steck nun immer in der Zwickmühle. Garten? oder doch lieber nähen? Gewonnen hat bisher immer nähen, auch weil ich nicht so recht wuste, was ich im Garten eigentlich erreichen will.

Inzwischen hab ich eine ungefähre Vorstellung wie ich den Garten gestalten möchte. Wir waren nämlich grad zwei Wochen in Schweden und das war so schön ruhig und die Landschaft so entspannt harmonisch, das ich versuchen werde mir einen Teil des Gartens, der praktischer Weise ganz abgeschieden hinter den Garagen liegt, in einen Naturgarten zu verwandeln, der an die schwedische Landschaft rund um unser Urlaubshaus erinnert.

Im Moment hab ich hinter den Garagen auch Naturgarten, allerdings wächst da fast nur eine Pflanzensorte, nämlich wilder Hopfen. Aufgabe bis zum Ende des Herbstes: aufräumen und Platz schaffen. Ob das Berichte mit Erfolgmeldungen werden, oder doch nur eine Dokumentation des Versagens, wird sich zeigen. Seid gespannt..

Eure Rike